TERRARIUMBAU 2010
Im Zuge meines Umzuges galt natürlich "gleiches Recht für alle" und so sollte auch Franz ein neues zu Hause bekommen.
Das alte (festinstallierte) Terrarium war allerdings schon ein paar Jahre alt und sollte daher nicht mit in die neue Wohnung genommen werden. Also musste das Neue bereits vor dem Umzug fertig gestellt sein, damit Franz nicht mehr Zeit als nötig in einer Übergangslösung verbringt.
Normalerweise sind Terrarien für Chamäleons aufgrund der Höhe sowie den diversen technischen Bestandteilen, fest installiert. Dieses Terrarium sollte nun allerdings aus Einzelteilen bestehen, damit diese transportabel und (im Umzugswagen) leicht zu verstauen sind. Dieser Umstand machte die Planung nicht gerade einfach. Bei der Umsetzung dieses, im Nachhinein doch ziemlich umfangreichen, Projekts hatte ich, wie glücklichweise so oft, tatkräftige Unterstützung von Katharina Schmidt.
Nachdem die Planung einigermaßen abgeschlossen war, wurden irrsinnig viele Schrauben, Balken, zugeschnittene MDF-Platten, sowie Lacke, Farben u.s.w. gekauft. Wir haben uns dazu entschieden für die gesamte Konstruktion ein Grundgerüst aus einzelnen, miteinander verschraubten Balken zu bauen. An dieses sollten dann die zugeschnittenen MDF-Platten angebracht werden. Grundlegendes Problem ist hierbei, dass man einem strikten Aufbauplan folgen muss, da sonst einige Befestigungen nicht mehr erreichbar sind. Es gab viele Momente, in denen wir uns tatsächlich eine IKEA-Anleitung gewünscht hätten.
In zwei Kästen wird die umfangreiche Technik verstaut. Der eine fungiert als Lichtkasten, indem die Leuchtmittel an einer Art Leiste angebracht wurden. Vorteil hierbei ist, dass man, ohne in das Terrarium greifen und Franz unnötig stressen zu müssen, z.B. direkt eine Birne wechseln kann.
Der zweite Kasten beinhaltet die Stromleiste mitsamt Zeitschaltuhren. Dieser geht nach Innen und bildet eine Art Zwischenboden im Terrarium - dort wird dieser nun als Ablage für Futtertierbehälter genutzt.
Ein weiterer Vorteil ist, dass lediglich ein Stromkabel aus dem Terrarium geht, man somit nur einen Steckplatz für die gesamte Stromversorgung in der Wohnung belegt. Hierbei ist natürlich die enorme Wattzahl der einzelnen Komponenten zu beachten - es soll ja nicht jeden Morgen die Hauptsicherung durchknallen. Also ist es empfehlenswert einen Stromkreis zu wählen, an den nur wenige weitere Stromabnehmer angeschlossen werden.
Um auch von Außen eine organische Wirkung zu erzielen sind sämtliche "Fenster" eher in runden Formen ausgesägt und geschliffen. Als "Beobachter" hat man somit nicht die komplette Sicht in das Innenleben und Franz dadurch weniger Stress.
Die Rückwände und der Zwischenboden wurden mit Montageschaum bearbeitet, welcher nach Aushärtung mit Fliesenkleber bestrichen wurde. So war es möglich eine wasserabweisende, steinähnliche Grundierung zu schaffen, welche bemalt und anschliessend mit ökologischem Lack versiegelt wurde.
Der Gedanke der Portabilität wurde auch beim Terrarium selbst berücksichtigt: Industrierollen am Boden ermöglichen es, das gesamte Terrarium ohne Probleme zu verschieben.
Die Technik setzt sich im Grunde genommen aus Wärme und Feuchtigkeit zusammen. Um die gewünschten Temperaturen, sowie die richtige Luftfeuchtigkeit zu erhalten, kommen folgende Komponenten zum Einsatz:
Die Beregnungsanlage mit drei Regendüsen und einem 10 Liter Wassertank. Ein 150 Watt HQI Strahler, ZooMed Powersun UV Lampe 100W und 1-2 Par38 Strahler.
So pendelt sich die Luftfeuchtigkeit bei 50-80% und die Temperatur im mittleren Bereich des Terrariums bei ca. 20° ein. Sämtliche technischen Geräte werden im Seitenkasten per Zeitschaltuhr gesteuert. So wird z.B. ein Sonnenaufgang/Untergang simuliert.
Ein wichtiger Punkt bei der Haltung von Chamäleons ist die Bepflanzung. Ich habe mich für echte Pflanzen entschieden, welche nicht einzeln in Töpfe, sondern zusammen in einer grossen Wanne gepflanzt sind.
Hierfür musste ein Abfluss in die Wanne eingebaut werden, damit sich kein Wasser staut. Hierfür wurde ein handelsüblicher Waschbecken-Abfluss verbaut. Das Wasser fliesst so in ein Auffangbecken, welches unter dem Terrarium steht. Dieses ist mit Teichplane ausgelegt und kann einfach geleert werden.
Als Erde wurde ein Gemisch aus Seramis, hochwertiger Erde, sowie Torf genutzt - so wird das Wasser besser gespeichert und ich habe weniger zu tun. In diesen Grund wurden verschiedende Pflanzen gepflanzt, welche sich so gut entwickelt haben, dass ich sie alle paar Wochen zurückschneiden muss, um Franz überhaupt noch finden zu können.
Als Verglasung habe ich mich für UV-beständiges Polycarbonat entschieden. Im Vergleich zu Acrylglas ist dieses weit beständiger und im Vergleich zu Glas einfacher zu verarbeiten. Auch nach mehreren Monaten sind keinerlei Kratzer oder Abnutzungen zu sehen.
Mittlerweile hat sich alles sehr gut eingespielt. Es ist noch ein "little Dripper", also eine Tropftränke hinzugekommen, aber sonst ist alles geblieben wie gedacht. Ich denke, Franz fühlt sich wohl und sein neues Zuhause ist - wie auch meines - besser als das vorherige.
Noch ein paar Zahlen zur Größe:
Gesamtgröße (HxTxB): 180cm x 60cm x 120cmBeckengröße (HxTxB): 120cm x 60cm x 120cm
Ist das Chamäleon gesund, freut sich der Mensch.
